Risiken von Tätowierungen werden unterschätztAcht Millionen Deutsche sind bereits tätowiert – Tendenz steigend. Ob Ausdrucksmittel körperlicher Selbstbestimmung, jugendkulturelle Zugehörigkeit, Vorliebe und Abgrenzung – oder einfach das Aufzeigen der eigenen Individualität. Es gibt viele Gründe für Tätowierungen, aber eines haben alle gemeinsam: Es ist eine Entscheidung, die kaum mehr rückgängig zu machen ist, denn die Nadel einer Tätowierpistole schießt bis zu 3.500 Mal pro Minute in die mittlere Hautschicht (Dermis) und verteilt dort ein bis zwei Milligramm Farbstoff pro Quadratzentimeter. Der Körper kann die Farbpigmente nicht abbauen, da Immunzellen diese einkapseln und verschließen.

Der Göttinger Wissenschaftler Dr. Steffen Schubert  steht dem Tätowierungs-Boom kritisch gegenüber und warnt vor schweren Kontaktallergien. In seinem aktuellen Forschungsprojekt befasst er sich mit Unverträglichkeitsreaktionen von Tätowierfarbe. Es gibt zur Zeit leider keine groß angelegte Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von Tätowierungen, einzelne Untersuchen zeigen jedoch, dass Tätowierungen nicht unerhebliche Risiken bergen. Der Grund sind die tätowierten Farben, die nicht dort bleiben, wo sie eingestochen werden, sondern durch den Körper wandern. Laut Dr. Schubert verteilen sich 30 Prozent der Tätowierlösung im gesamten Körper. Es sind sogar Einlagerungen in Leber und Lymphknoten bekannt, die diese einfärben und zu unerwünschten Nebenwirkungen wie beispielsweise gestörtes Schwitzverhalten führen können.

Regensburger Mediziner haben Farben von Tätowierern untersucht und neben simpler Tusche oder Farbruß in bunteren Farben Schwermetalle wie Nickel, Chrom und Quecksilber gefunden die schwere Kontaktallergien auslösen können.

Eine allgemeine Institution, welche die Reinheit und Verträglichkeit von Tätowierfarben testet und prüft, existiert nicht und so wissen viele Tätowierte nicht, dass sie Bestandteile von Autolacken, Plastik oder Druckerfarben im Körper haben.

Selbst die in Urlaubsländern oft von Straßenkünstlern angebotenen rotbraunen Henna-Tattoos sind mit Vorsicht zu genießen. Dem Hennapulver wird oft Para-Phenylendiamin, kurz PPD, beigemischt. Dieser Stoff kann in größeren Mengen auf der Haut schwere Kontaktallergien auslösen und ist deshalb in Europa für Henna-Tattoos verboten.

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