Anhand von Fallberichten kam der Verdacht auf, dass die Gabe von Tramadol mit einem erhöhten Hypoglykämie-Risiko assoziiert ist. Tramadol, ein mittelstark wirkendes Opioid zur Behandlung von mäßig starken bis starken Schmerzen, kann vor allem zu Beginn der Anwendung den Blutzuckerspiegel auch bei Nicht-Diabetikern senken. In Deutschland zählt Tramadol seit 2011 zu den meistverordneten Arzneimitteln. Aufgrund seines Metabolismus über die Cytochrom-P450-Isoenzyme und wegen des dualen Wirkmechanismus besitzt der Wirkstoff ein vergleichsweise hohes Nebenwirkungs- und Interaktionspotenzial. Anhand einer Subgruppenanalyse wurde deutlich, dass das Hypoglykämie-Risiko vor allem innerhalb der ersten 30 Tage nach der Verordnung von Tramadol erhöht ist. In dieser Zeit war das Risiko mehr als doppelt so groß. Der zugrundeliegende Mechanismus dafür ist nicht endgültig geklärt. Studien an Ratten zeigten, dass Tramadol die hepatische Gluconeogenese hemmt und die Insulin-Sensitivität verbessert.