Angst vor Nahrungsfetten

Stetig auftretende, unkontrollierbare Durchfälle nach dem Essen werden meist auf eine Unverträglichkeit von Nahrungsfette in den Lebensmitteln zurückgeführt – insbesondere dann, wenn die Beschwerden nach üppigen und stark fetthaltigen Mahlzeiten stärker werden oder sich beim Weglassen von Pommes und Co. bessern. NahrungsfetteWenn gängige Hausmittel nicht gegen die quälenden Beschwerden helfen, entwickeln viele Betroffene mit der Zeit Angst vor Nahrungsfett, die darin mündet, dass sie Fett gänzlich meiden. Ein Verzicht auf Nahrungsfette ist jedoch schädlich. Etwa 10 Prozent der Magen-Darm-Beschwerden sind zudem gar nicht auf eine Unverträglichkeit, sondern auf einen Mangel an Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse zurückzuführen. Bei dieser exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) kann hauptsächlich das Nahrungsfett nicht verdaut werden und wird wieder ausgeschieden.

Wenn über Monate nach jedem fetthaltigen Essen Blähungen und Durchfälle auftreten, haben die Betroffenen einen sehr hohen Leidensdruck. Sie trauen sich nur noch unter Menschen, wenn sie wissen, dass eine Toilette vor Ort ist. In ihrer Not denken die meisten Betroffenen an eine Unverträglichkeit und lassen zunächst das entsprechende Lebensmittel weg. Zudem weichen sie gerne auf fettreduzierte Lebensmittel aus. Manche würden am liebsten ganz auf Fett verzichten.

Nahrungsfette in der Ernährung

ErnährungspyramideFett aber ist nicht nur ein Energielieferant. Es wird unter anderem auch zur Erhaltung der Körpertemperatur, zum Schutz der inneren Organe, zum Aufbau der Zellwände und für den Hormonstoffwechsel benötigt. Bei einer Verbannung des Fetts vom Speiseplan fehlen dem Köper auch essenzielle Fettsäuren, die er nicht selbst herstellen kann. Zudem kann er die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, die unter anderem Zähne und Knochen stärken und die Wundheilung unterstützen, nicht nutzen. Außerdem wird bei einem Fettverzicht in der Regel auch zu wenig Eiweiß aufgenommen, da dies in vielen Nahrungsmitteln an Fett gekoppelt ist. Das fehlt dem Körper dann beim Aufbau der Muskulatur. Zudem werden die Betroffenen wegen des fehlenden Eiweiß nicht richtig satt. Das führt dann oft zu einer einseitigen Ernährung mit Kohlenhydraten. Damit nehmen sie zwar an Gewicht zu, sind aber trotzdem kraft- und energielos sowie ständig müde.

Behandlung der Beschwerden

PankratinDass die Beschwerden aber auch durch eine exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) ausgelöst werden können, wissen die Wenigsten. Dabei kann sie jeder an den etwa 30 Minuten nach dem Essen auftretenden Durchfällen, Blähungen, gürtelförmigen Oberbauchschmerzen und dem typischen Fettstuhl selbst erkennen. Besonders häufig tritt sie bei Diabetikern, im höheren Lebensalter, starken Rauchern, Menschen mit Zöliakie/Sprue oder starkem Übergewicht auf. Der Verdacht kann beim Therapeuten mit einem einfachen Labortest auf den Marker Pankreas-Elastase1 bestätigt werden. Eine EPI kann mit Verdauungsenzymen gut behandelt werden. Lipase, Amylase und Protease aus Schweinepankreas oder Reispilzen können die Aufgaben der Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse übernehmen und Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße spalten. Ein Verzicht auf Fett ist somit gar nicht notwendig.