zahnDie Zähne unserer Kinder weisen aufgrund besserer Zahnhygiene seltener Karies auf als noch vor einigen Jahren. Dennoch sind die Zahnärzte beunruhigt: Bereits zehn Prozent aller deutschen Schulkinder leiden an einer rätselhaften neuen Zahnkrankheit. Vor allem betroffen sind die bleibenden Backenzähne, die etwa mit sechs Jahren herauswachsen. Seltener zeigen sich die Schäden an den Frontzähnen.
Da vor allem die 6-Jahr-Molaren befallen werden, nennen die Mediziner das sich ausbreitende Phänomen „Molar-Incisor-Hypermineralisation“, kurz MIH. Die befallenen Zähne sind bernsteinfarben und sehen käsig trüb aus. Da sie nicht ausreichend mineralisiert sind, können sie beim bloßen Kauen oder Beißen zerbröckeln. Die sogenannten „Kreidezähne“ sind empfindlich, schmerzen und verfügen kaum über einen Schutz gegen Säuren.
Die Mediziner stehen vor einem Rätsel. Sowohl Kariesbakterien als auch genetische Faktoren scheiden als Übeltäter aus. Viel wahrscheinlicher sind Umweltfaktoren, die die normale Zahnentwicklung stören, und zwar bereits in der Phase von zwei Monaten vor der Geburt bis etwa zum ersten Geburtstag. Genau in diesem Zeitfenster werden jene 6-Jahr-Molaren und die ersten Frontzähne mineralisiert, an denen dann typischerweise MIH auftritt. Die Vermutung liegt nahe, dass bereits der Fötus Schadstoffen ausgesetzt war, die auf die schmelzbildenden Zellen einwirken. In der Folge ist der Einbau von Kalzium und Phosphat in die bleibenden Zähne gestört. Der Zahnschmelz verfärbt sich gelb und die Konsistenz ist weich und instabil. Über den auslösenden Schadstoff können die Zahnärzte derweil nur spekulieren: So stört die in vielen Kunststoffen enthaltene Chemikalie Bisphenol A die Mineralisation von Rattenzähnen im Tierversuch. Solche Experimente an Tieren lassen sich natürlich nicht eins zu eins auf den menschlichen Organismus übertragen, aber ein Hinweis könnte es dennoch sein.
Als vorbeugende Maßnahme sollte man das Trinken aus Plastikflaschen unterlassen sowie in Plastik verpackte Lebensmittel meiden, so der Rat von Experten. Für die frühzeitige Erkennung ist ein regelmäßiger Besuch beim Zahnarzt sinnvoll. Wird ein „Kreidezahn“ entdeckt, kann er versiegelt oder mit einer Füllung versehen werden. Ist der Zahn stark angegriffen, kann er zunächst überkront und im späteren Alter gezogen werden, wenn die Weisheitszähne den Platz brauchen.