stiefmuetterchenAls Stiefmütterchen wird eine Gruppe von Arten aus der Gattung der Veilchen (Viola) bezeichnet. Die Familie der Veilchengewächse zeichnet sich durch eine charakteristische Anordnung der meist dreifarbigen Blütenblätter aus: Das breite unterste Kronblatt wird als „Stiefmutter“ bezeichnet und bedeckt teilweise die beiden seitlichen Blütenblätter, die „Töchter“. Diese wiederum bedecken die beiden obersten, die sogenannten „Stieftöchter“.
Im Altertum und Mittelalter nutzten die Menschen die Heilkraft des Stiefmütterchens sowohl zur innerlichen als auch äußerlichen Anwendung. Die Pflanze geriet dann etwas in Vergessenheit, ist aber bis heute nicht aus der Anwendung in der Volksmedizin verschwunden. Im Volksmund gibt es für das Stiefmütterchen (Viola tricolor) viele Namen wie etwa Ackerveilchen, Muttergottesschuh, Sinnviole oder Dreifaltigkeitsblume. Anzutreffen ist die Pflanze in fast ganz Europa, vornehmlich im mitteleuropäischen Raum. Zahlreiche Kulturformen schmücken unsere Balkone.
In der Volksmedizin wird das Kraut der Pflanze verwendet, das heißt die komplette Pflanze. Die Droge „Violae tricoloris herba“, das wild wachsende Kraut wird während der Blütezeit zwischen Mai und Oktober geerntet. Der Geschmack der Droge ist süßlich-schleimig. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe hat die Pflanze entzündungshemmende und schleimlösende Eigenschaften. Traditionell wird ein zehnprozentiger Aufguss als Umschlag bei Juckreiz, Milchschorf bei Säuglingen sowie nassem und trockenem Ekzem verwendet. Dazu wird etwa ein Teelöffel des Stiefmütterchenkrautes auf eine Tasse heißes Wasser aufgebrüht, fünf Minuten ziehen gelassen und dann abgeseiht. Dieser Aufguss kann dann innerlich und äußerlich angewandt werden. Die innerliche Anwendung in Form von Tee ist überliefert aus älteren Quellen der Volksmedizin. Sie dient vor allem als Schleimlöser bei Entzündungen der oberen Luftwege und des Rachens sowie bei Keuchhusten. Außerdem hat das Stiefmütterchen blutreinigende Eigenschaften und findet sich deshalb in Teemischungen mit diesem Anwendungsgebiet.
In der Homöopathie findet Viola tricolor Einsatz bei Hautausschlägen, Blähungen, Durchfall, Drüsenschwellungen und Blasenbeschwerden. Die Blüten des Stiefmütterchens sind essbar und eignen sich zur Dekoration von Suppen und Salaten.