sunny-topGicht ist eine Erkrankung des Purin-Stoffwechsels, bei der es durch Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben zu Entzündungen kommt. Ursächlich scheidet die Niere zu wenig Harnsäure aus. Die äußerst schmerzhaften Gichtanfälle werden hauptsächlich mit Schmerzmitteln behandelt. Um dauerhaft die Harnsäureausscheidung zu steigern, sind spezielle Medikamente erforderlich. Darüber hinaus ist eine purinarme Kost – also Verzicht auf rotes Fleisch und Alkohol – elementar.
Was schon lange vermutet wurde, konnte jetzt in einer amerikanischen Studie nachgewiesen werden: Die Inhaltsstoffe der Kirsche können schmerzhafte Gichtattacken deutlich reduzieren. Die Teilnehmer einer Bostoner Studie konnten das Risiko einer Gichtattacke um 35 Prozent senken, wenn sie an zwei vorausgehenden Tagen zweimal täglich jeweils zehn bis zwölf der roten Früchte zu sich genommen hatten. Ein Rückgang des Risikos um sogar 45 Prozent ließ sich verzeichnen, wenn ein Kirschextrakt verzehrt wurde. Erstaunlich war die Tatsache, dass weder aufgenommene Purine aus der Nahrung und Alkohol oder auch die Einnahme der Gichtmedikamente einen Einfluss auf das Ergebnis hatten. Der Grund: Kirschen enthalten einen hohen Anteil an dem Pflanzenfarbstoff Anthocyan. Dieser hat antientzündliche und antioxidative Eigenschaften. Außerdem scheinen Kirschen die Produktion von Harnsäure zu hemmen. Noch 2011 hatte die amerikanische Arzneimittel-Zulassungsbehörde einen Kirschsafthersteller verwarnt, weil er mit einer schmerzlindernden Wirkung auf seinen Produkten geworben hatte. Sicherlich eignet sich die alleinige „Kirschtherapie“ nur für Gichtpatienten mit leichteren Beschwerden, die bisher ohne weitere Medikamente auskommen. Auf keinen Fall sollte ein Gichtpatient im Alleingang auf die ärztlich verordneten Medikamente verzichten. Die erfolgreichste Reduzierung einer Gichtattacke während der Studie erfolgte, wenn zusätzlich zum Harnsäure ausscheidenden Medikament eine täglich entsprechende Menge Kirschen gegessen wurde. Hier sank das Risiko erstaunlicherweise um 75 Prozent.