GespraechDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Deutschland offiziell von der Liste der Länder gestrichen, in denen Jodmangel vorherrscht. Dagegen spricht, dass mehr als zwanzig Millionen Menschen, also etwa jeder dritte Einwohner, behandlungsbedürftige Jodmangelstrumen oder knotige Veränderungen der Schilddrüse aufweist. Allerdings sind die Funktionsstörungen der Schilddrüse zumeist nicht so stark ausgeprägt, dass eine medikamentöse Therapie erforderlich wäre.
Ursache für das Auftreten von Strumata oder Knoten in der Schilddrüse ist eine zu geringe Jod-Aufnahme über die Nahrung. Gerade Kinder und Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Um dem vorzubeugen, wird sowohl in der Tierfutterherstellung als auch in den meisten Bäckereien jodiertes Speisesalz verwendet. Ferner steht das mit Jod angereicherte Salz als Lebensmittel seit 1989 zur Verfügung und kommt auch in 70 Prozent der Haushalte zum Einsatz.
In einen Konflikt kommt man dann, wenn man einen anderen WHO-Rat befolgt: Die Salzaufnahme solle auf weniger als fünf Gramm pro Tag gesenkt werden, um das Risiko für Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen und Schlaganfälle zu senken. Einfacher scheint da der Weg über den Verzehr jodhaltiger Nahrungsmittel wie der regelmäßige Verzehr von Seefischen und Meeresfrüchten oder die Aufnahme in Form von Tabletten. Die Angst, durch eine regelmäßige Jodid-Zufuhr Autoimmunreaktionen der Schilddrüse auszulösen, ist laut Expertenmeinung unbegründet. Im Normalfall ersetzt man 100 bis 200 Mikrogramm täglich, kritisch wird es erst ab 500 Mikrogramm pro Tag.
Eine Veränderung der Schilddrüse kann bereits der Hausarzt durch Abtasten und per Ultraschall feststellen. Eine Blutuntersuchung der spezifischen Schilddrüsenhormone gibt weiteren Aufschluss. Liegen die Werte im Normbereich, ist zumindest eine massive Störung ausgeschlossen.
Bei Abweichungen der Werte sowie bei knotigen Veränderungen, die plötzlich aufgetreten sind oder schnell wachsen und ebenso bei jungen Patienten sollte immer ein Facharzt hinzugezogen werden.
Die gute Nachricht ist, dass die meisten Knoten, die in der Schilddrüse entdeckt werden, gutartig sind. Schilddrüsenkrebs ist mit 6000 bis 7000 Erkrankungen pro Jahr eher selten.