HarnwegsinfektHarnwegsinfektionen  (HWI) sind ein extrem häufiges Phänomen: Jeder zweite Mensch hat irgendwann einmal in seinem Leben damit zu tun, und bei jedem zwanzigsten kommt es immer wieder zu Rückfällen. Die Problemgruppen sind bekannt: Schwangere, postmenopausale Frauen, Diabetiker, Patienten in Pflegeheimen.

Auch wenn der Leidensdruck von Patientenseite oft groß ist, raten Experten dringend sich mit der Gabe von Antibiotika bei unkomplizierten HWI zurückzuhalten, um die Bildung von  Resistenzen zu vermeiden. Vielmehr soll hier rein symptomatisch behandelt werden, mit viel Trinken und gegebenenfalls Ibuprofen gegen die Schmerzen. Damit waren in einer Studie zwei von drei Antibiotika-Anwendungen verzichtbar.

Harnwegsinfektionen und Phytopharmaka

Cranberry bei HarnwegsinfektenZum Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln bei HWI gibt es zwar reichlich Erfahrung, aber kaum wissenschaftliche Literatur. Als „durchaus sinnvoll“ wird jedoch der Einsatz von Cranberries – deutsch: Mossbeeren – betrachtet, da hier zumindest der Wirkmechanismus belegt ist. Durch den enthaltenen Wirkstoff Proanthocyanidin wird ein Andocken des Keims in der Blase verhindert. Unterschiedliche Studien zeigten, dass Cranberry-Produkte zwar das Vorkommen von wiederkehrenden Infektionen senken, aber nicht vor dem Vorhandensein der Bakterien im Urin schützen  können. Der erwiesene Vorteil jedoch ist, dass es im Gegensatz zu antibiotischer Therapie nicht  zu Resistenzbildung kommt.

2017 wurde die Leitlinie zur Behandlung der unkomplizierten Harnwegsinfektionen um die Empfehlung des Einsatzes von Phytotherapeutika bei häufig auftretender Harnwegsinfektion der Frau erweitert. Vor der Gabe von Antibiotika können demnach Produkte zum Beispiel aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkressekraut und Meerretichwurzel erwogen werden. Grundsätzlich sind die pflanzlichen Arzneimittel zur Behandlung bei HWI fast ausschließlich als Kombipräparate verfügbar, wobei man sich die unterschiedlichen Wirkmechanismen zunutze macht. Eine Kombination aus Meerretichwurzel und Kapuzinerkresse zeigt eine antibakterielle und antivirale Wirkung. Dem echten Goldrutenkraut sowie der Kombination aus Rosmarin, Tausengüldenkraut und Liebstöckel wird ebenso ein antientzündlicher  Effekt postuliert. Ähnliches gilt für Ackerschachtelhalm sowie Brenneseel- und Birkenblätter. Es ist wichtig darauf zu achten bei der Einnahme der Phytotherapeutika viel zu trinken und auf Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall zu achten.