grapefruit und ArzneimittelDer Genuss von Grapefruit, egal ob als Saft, Marmelade oder ganze Frucht,  ist für den Menschen ein guter Vitamin C-Lieferant. Nur für Personen, die Medikamente einnehmen, kann der Verzehr der gelb-orangen Frucht zu erheblichen Wechselwirkungen führen. Grund dafür sind die in den Grapefruits enthaltenen Furanocumarine. Sie hemmen das Enzym Cytochrom P450, das in der Darmschleimhaut für den Abbau zahlreicher Medikamente verantwortlich ist. Durch häufigen Verzehr von Grapefruitsaft wird dieses wichtige abbauende Enzym gehemmt und die Arzneistoffe reichern sich im Darm an, zum Teil bis in gefährliche Höhen. In der Fachliteratur finden sich Fälle von Beinamputationen, Organabstoßung nach Transplantationen und sogar Todesfälle durch Rhythmusstörungen, weil bestimmte Arzneistoffe in Kombination mit Grapefruitsaft eingenommen wurden.
Wissenschaftlern, die sich mit dieser Problematik beschäftigen, ist der “Grapefruit-Effekt“ seit etwa 20 Jahren bekannt. Sie fanden heraus, dass etwa 85 Medikamente mit den Inhaltsstoffen der Grapefruit in Wechselwirkung treten. Bei 43 Arzneistoffen davon kann es in Kombination mit dem Saft zu schweren Nebenwirkungen wie Nierenversagen oder Magen-Darm-Blutungen kommen. Betroffen sind vor allem gängige Arzneimittel aus den Bereichen Herz-Kreislaufmittel, Antibiotika, Lipidsenker und einige Krebsmedikamente. Werden entsprechende Wirkstoffe eingenommen, sollte auf den gleichzeitigen Verzehr von Grapefruitsaft verzichtet werden.
Denn bereits ein Glas Grapefruitsaft täglich kann den Wirkstoffspiegel betroffener Medikamente in die Höhe schnellen lassen. Aber nicht nur die Grapefruits enthalten die tückischen Furanocumarine. Auch andere Zitrusfrüchte wie Bitterorangen und Limetten sowie Cranberries und Äpfel stehen unter Verdacht, für ähnliche Wechselwirkungen verantwortlich zu sein. Eine naheliegende Schlussfolgerung wäre, die Dosis der Medikamente, die über Cytochrom P450 abgebaut werden, einfach zu reduzieren, wenn gleichzeitig Saft getrunken wird. Davon ist aber tunlichst abzuraten, da das Ausmaß der Wirkstofferhöhung in keiner Weise steuerbar ist. Auch wenn Diäten mit Grapefruitextrakten und entsprechende Saftkuren hoch im Kurs stehen, sollten sie nur gemacht werden, wenn keine Medikamente eingenommen werden, die über das besagte Enzym abgebaut werden. Die beste Methode: Alle Medikamente generell mit Wasser einnehmen!