Arzneimittel und Resistenzen

Bakterien sind anpassungsfähige kleine Lebewesen, die Verteidigungsstrategien entwickeln. Unter Medizinern wird dies Resistenzbildung genannt, da die eingesetzten Antibiotika zum Teil gegen die Bakterien nichts mehr ausrichten können. Glaubte man noch vor mehreren Jahrzehnten, mit der Erfindung des Penicillins eine wirksame Waffe gegen die Erreger gefunden zu haben, zeigt sich heute immer öfter, dass die vorhandenen Medikamente wirkungslos sind. Vergleiche unter Ländern, in denen sehr viele Antibiotika zum Einsatz kommen, wie Portugal und Spanien mit Ländern, die die Medikamente nur sehr gezielt einsetzen, wie die Niederlande oder Skandinavien, zeigen, dass die Höhe der Resistenzrate hiervon abhängig ist. Deutschland rangiert im Mittelfeld, allerdings mit hohen Steigerungsraten in den vergangenen Jahren.
Kritisch ist beispielsweise der sorglose Umgang mit Antibiotika bei Erkältungen, werden diese doch häufig von Viren ausgelöst, gegen die die Medikamente nichts ausrichten können. Finden die Antibiotika keine krankmachenden Bakterien vor, entfalten sie ihre Wirkung auf eigentlich harmlose Bakterien wie den Darmkeim E. coli  oder Keime, die zur natürlichen Hautflora gehören. Doch auch diese können Resistenzen entwickeln. Werden resistente E.-coli-Bakterien über den Stuhl ausgeschieden,  können sie ihre Informationen sogar an andere Bakterien weitergeben. Die Leidtragenden sind nach vielen Umwegen und Zwischenstationen immungeschwächte Menschen wie Frühgeborene, Organtransplantierte oder Krebspatienten.
Auch in der Tierzucht werden massenweise Antibiotika eingesetzt. So stellte man bei Untersuchungen fest, dass von den Tieren ausgeschiedene Salmonellen Resistenzen aufwiesen, darunter auch gegen Antibiotika, die für die Humanmedizin große Bedeutung haben. Für die Verbraucher ist es wichtig zu wissen, dass sie nicht nur bei der Zubereitung von Eiern und Geflügel mit diesen Salmonellen in Berührung kommen können, son-dern auch beim Verzehr von Obst und Gemüse. Denn mit Klär-schlamm und Gülle können die resistenten Bakterien auf die Äcker kommen. Bodennah wachsendes Obst und Gemüse sollten deshalb vor dem Verzehr gut gewaschen werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet auf rohes Fleisch, Rohmilchprodukte und Rohkost.